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Der Zahnarzt als Arzt: Den Blick weiten

Wie können Zahnärzte den Herausforderungen der Zukunft, etwa dem demografischen Wandel, begegnen und die wachsende Gruppe älterer, multimorbider Patienten adäquat versorgen? Welche interdisziplinären Fragestellungen gibt es dabei? Das stand im Fokus beim Zahnheilkunde-Kongress am 13. und 14. April der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz (LZK) unter dem Motto „Der Zahnarzt als Arzt“.

Dr. Wilfried Woop, Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, eröffnete gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler den Kongress. Die Ministerin: „Das Kongressmotto unterstreicht, dass es beim Zahnarztbesuch nicht ausschließlich um die Zahngesundheit geht. Stattdessen wird eine ganzheitliche Betrachtung der Patientinnen und Patienten immer wichtiger. Außerdem freue ich mich sehr, dass auch 2018 die Themen Jugendzahnpflege, Altersmedizin und Prävention im Fokus stehen“.

Sie unterstrich die auffallend große Bereitschaft der Zahnärzteschaft zur Fort- und Weiterbildung. Im ländlichen Raum sei das gemeinsame Engagement von Selbstverwaltung und Politik besonders gefragt, um weiterhin eine gute zahnärztliche Versorgung sicherzustellen. Dazu müssten Bedingungen geschaffen werden, so die Ministerin, die auch die neue Zahnarzt-Generation dazu motiviert, sich außerhalb der Ballungszentren niederzulassen.

Schwerkranken Kindern mit Zahngold helfen

Vom Engagement zahlreicher Zahnärzte profitiert die Mainzer Kinderklinik: Zahngoldsammlungen, die von Sanitätsrat Dr. Gert Kohl aus Mainz koordiniert werden, kommen der Kinderintensivstation zugute. Auf der „Zahnheilkunde“ wurde auch diesmal ein stattlicher Scheck an den Vorstandsvorsitzenden des KIKAM e.V., Oberarzt Ralf Huth, überreicht: 210.455 Euro werden wieder für die Versorgung schwerstkranker Kinder eingesetzt. „Ich danke im Namen der kleinen Patienten“, so Huth, und verspricht: „Die Investitionen werden nachhaltig verwendet.“ Im Laufe seines 25-jährigen Engagements konnte Dr. Kohl über 1,8 Millionen Euro für KIKAM e. V. sammeln und spenden.

Äthiopischer Prinz hält Werte hoch

Den für die Zahnheilkunde traditionellen „Blick über den Tellerrand“ bot diesmal der Festvortrag von Prinz Dr. Asfa-Wossen Asserate. Der äthiopisch-deutsche Bestsellerautor und politische Analyst referierte zum Thema „Werte, Tugenden und Manieren im 21. Jahrhundert“. Der Prinz knüpfte an die Tradition der Aufklärung an und verband seinen Abriss der Geistesgeschichte mit dem Appell an die Zuhörer für mehr Menschlichkeit, Harmonie und Empathie. Bei der anschließenden Signierstunde war der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie offen für Gespräche.

Heilmittel: menschliche Beziehung

Auch der italienische Zahnarzt Dr. Giuseppe Allais aus Turin betonte in seinem Vortrag die Wichtigkeit der Empathie dem Patienten gegenüber. Eindrucksvoll und anschaulich zeigte er anhand von Patienten-Fallbeispielen, wie unterschiedlich deren Erwartungen an eine Versorgung sind. Der Zahnarzt habe den Vorteil, seine Patienten bei regelmäßigen Kontrollterminen zu sehen, wodurch eine relativ unbelastete Beziehung entstehen könne. „Das wichtigste Heilmittel des Zahnarztes ist die menschliche Beziehung“, resümierte Dr. Allais.

Forschungspreis für Implantat-Technik

Wie man in Zukunft die prothetische Versorgung von Implantaten verbessern kann, darüber hat Dr. Stefan Wentaschek aus der Poliklinik für Prothetik der Universitätsmedizin Mainz geforscht. Seine Arbeit zur Verschraubung von Suprakonstruktionen („Method to evaluate the preload, coefficient of friction and the thread friction component in an implant abutment screw complex“) hat die LZK mit dem Martin-Herrmann-Forschungspreis ausgezeichnet.

Praxisteams gut ausbilden

PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, wissenschaftliche Leiterin des Teamprogramms, sprach von der Mundhöhle als Spiegel für den gesamten Gesundheitszustand des Patienten. Der Zahnarzt sei Arzt für orale Erkrankungen und somit für die umfassende Versorgung zuständig, gemeinsam mit seinem Praxisteam. „Das Team ist nicht alles, aber ohne ein gutes Team ist alles nichts“, betonte die Privatdozentin der Mainzer Universitätsmedizin und verwies auf das vielfältige Team-Programm des Kongresses.

Das anspruchsvolle wissenschaftliche Programm unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Bernd d’Hoedt wurde mit Workshops und Hands-on-Übungseinheiten sowie einer Dentalausstellung ergänzt.

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